Untergraben
Englisch: holing
Das Unterschneiden einer Kohleflöz, um die darüber liegende Masse zum Einsturz zu bringen.
Unterbau: Kohle von unten herausschlagen, um sie zum Einsturz zu bringen
Unterbau ist das Verfahren, bei dem Kohle von unten aus einer Flöz herausgeschlagen wird, wodurch ein Hohlraum entsteht, der die darüber liegende Masse destabilisiert und zum Einsturz unter Eigengewicht führt. Im untertägigen Kohlebergbau ist diese Technik seit über hundert Jahren grundlegend für die Gewinnungsarbeit an der Abbaufläche, da sie es den Bergleuten ermöglicht, Kohle zu brechen und zu laden, ohne die gesamte Flözdicke von oben nach unten durch Sprengstoff durchtreiben zu müssen.
Das Verfahren funktioniert, weil Kohle in der Tiefe unter erheblicher vertikaler Belastung steht. Durch das Entfernen der Stütze von unten nutzt der Bergmann das Eigengewicht der Flöz selbst. Ein Unterbauer arbeitet horizontal in die Abbaufläche ein und schafft dabei typischerweise einen Hohlraum von 1,5 bis 2 Metern Breite und 0,6 bis 1,2 Metern Höhe, während er 2 bis 3 Meter entlang der Abbaufläche vorankommt. Sobald der Unterbau genügende Tiefe erreicht hat, bricht die obere Kohle in großen Blöcken weg, die dann abgebaut und geschaufelt werden können, statt dass mehrfache Schläge mit dem Bergmannsschlägel oder Sprengstoff durch eine massive Flöz nötig wären.
Unterbau wurde traditionell per Hand mit einer Kohlenkratze ausgeführt, eine anstrengende Arbeit unter beengten, heißen Bedingungen mit Kohlestaub und schlechter Bewetterung. Moderne Gruben setzen motorische Unterbau-Werkzeuge ein: Schlagpickel auf fahrbaren Untergestellen oder teilweise Schneidemaschinen, die den Hohlraum mechanisch ausheben. Die Tiefe und der Winkel des Hohlraums sowie die Festigkeit und Dicke der bearbeiteten Kohle bestimmen, wie zuverlässig der Überstand abfällt und wie viel zusätzliche Arbeit nötig ist, um hartnäckige Partien zu Bruch zu bringen.
Das Verfahren ist nicht ohne Gefahren. Wenn der Unterbauer die Belastung oder die Kohlestruktur falsch einschätzt, kann die obere Masse plötzlich auf die im Hohlraum arbeitenden Bergleute einstürzen. Umgekehrt, wenn der Hohlraum zu flach ist, will die Kohle nicht brechen und der Bergmann muss zu teurer und störender Sprengarbeit greifen. Feuchte Kohle lässt sich schwächer unterbauen als trockene Kohle, und geologische Störungen oder Einlagerungen können unvorhersehbares Verhalten verursachen. Aus diesen Gründen erfordern Tiefe und Positionierung des Hohlraums Erfahrung und Urteilsvermögen.
Unterbau ist in mechanisierten Longwall-Anlagen seltener geworden, wo Schältrommeln die gesamte Flözdicke in einem Schnitt durchfahren. Allerdings setzen Kammer-Pfeiler-Gruben und Bergbauregionen mit weniger Mechanisierung weiterhin auf selektive Flöz-Gewinnung mit Hand- oder Motorunterbau. Der Begriff wird auch allgemeiner im Steinbruchbetrieb und in der Schiefertechnik verwendet, um Unterschneidungsarbeiten zu beschreiben, die Stein zum Spalten oder Bergen vorbereiten.