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Bergbau und Gewinnung

Koepe

Förderanlage mit Seilreibung zwischen Förderseilen und Antriebsscheibe.

Koepe: Reibungsantrieb zum Greifen von Seilen, nicht von Trommeln

Ein Koepe-System ist eine Seilförderanlage, bei der zwei Seile, eines an der Förderkorb oder Skipanlage und eines an das Gegengewicht angebunden, über eine einzige große Umlenkrolle, die sogenannte Koepe-Scheibe, laufen. Die Scheibe selbst rotiert und zieht beide Seile gleichzeitig, wobei die Reibung zwischen den Seilen und der Scheibe den Grip liefert, um die Kraft zu übertragen. Im Gegensatz zum klassischen Trommelhub, bei dem Seile sich auf und ab einem zylindrischen Dorn auf- und abwickeln, bleiben die Seillängen beim Koepe-System konstant; wenn die eine Seite absinkt, steigt die andere um denselben Betrag auf.

Die Koepe-Scheibe hat typischerweise einen Durchmesser von 4 bis 7 Metern und besitzt eine gerillte oder aufgeraute Oberfläche, häufig aus Gusseisen oder geschweißtem Stahl, um die Reibungskontakt zu erhöhen. Die Seile liegen in diesen Nuten und können rund oder flach sein, typischerweise 16 bis 32 Millimeter im Durchmesser. Ein einzelner Motor und ein Getriebe treiben die Scheibe durch eine Hauptlagereinheit an. Das System erfordert genaue Seilspannung und Ausrichtung, da ungleichmäßige Belastung zu Rutschen oder Seilklettern führen kann.

Warum Koepe statt Trommelhub

Koepe-Förderanlagen sind bevorzugt für tiefe Schächte, weil sie die Notwendigkeit eliminieren, den Schacht für eine Trommel auszulegen, die breiter wird, wenn sich Seillagen aufbauen. In einem 1000-Meter-Schacht mit klassischem Hub kann der Trommeldurchmesser unzulässig groß werden. Das Koepe-System reduziert auch den Motorleistungsbedarf in der Absenkphase, weil der absinkende Förderkorb den aufsteigenden ausgleicht, und die Reibungsregelung statt mechanischer Bremse die Last beherrscht. Das System hängt allerdings vollständig von der Reibung zwischen Seil und Scheibe ab, sodass jeder Ölfilm, Wasser oder Seilverschleiß, die die Reibung verringern, gefährliches Rutschen verursachen können.

Das System ist nach Heinrich Koepe benannt, einem deutschen Ingenieur, der das Prinzip im späten 19. Jahrhundert entwickelte. Es wurde zur Norm im europäischen Bergbau und ist heute die vorherrschende Methode in tiefen Hartsteinminen. Das Reibungsprinzip hat Koepe-Förderanlagen zentral für Ultra-Tiefbetriebe gemacht: die tiefsten Minenschächte der Welt, die über 3000 Meter hinabgehen, nutzen Koepe-Hub fast ausschließlich.

Moderne Koepe-Systeme enthalten Rutscherkennungssensoren und Seilspannungsüberwachung, um Reibungsausfälle zu verhindern. Wenn eines der Seile die Spannung verliert oder die Scheibenfläche sich verschlechtert, warnen Alarmsysteme die Bedienung, bevor Rutschen eintritt. Die Instandhaltung konzentriert sich auf Seilprüfung, Scheibenzustand und Ausrichtung der Seilrollen, die jedes Seil auf und von der Scheibe führen.

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