Lunar
Englisch: lunar
Eine Beobachtung eines Monddistanzwinkels (Winkel zwischen dem Mond und einem anderen Himmelskörper), besonders zur Bestimmung der geografischen Länge eines Schiffes auf See.
Monddistanz: Himmelspeilungen zur Längengradbestimmung auf See
Eine Monddistanz ist eine einzelne Beobachtung des Winkelabstands zwischen dem Mond und einem anderen Himmelskörper, meist der Sonne oder einem hellen Stern. Navigatoren nutzen diese Messung, um den Längengrad eines Schiffes zu bestimmen, wenn das Chronometer unzuverlässig ist, fehlt oder überprüft werden muss. Das Verfahren beruht auf der schnellen Bewegung des Mondes über den Himmel im Vergleich zu anderen Himmelskörpern, was seine Position als effektive Naturuhr macht.
Der Navigator misst den Winkel zwischen dem Mondrand und dem gewählten Referenzkörper mit einem Sextanten, erfasst die Höhe beider Objekte und deren Winkelabstand. Anders als eine einfache Höhenpeilung, die Breitengrad ergibt oder zur Ortszeit hilft, erfordert eine Monddistanz zwei separate Messungen und komplexere Berechnungen. Der Beobachter schießt normalerweise mehrere Monddistanzen hintereinander, um Messfehler und atmosphärische Verfälschungen auszumitteln.
Monddistanzen zur See
Monddistanzen funktionieren am besten, wenn der Mond etwa 30 bis 60 Grad über dem Horizont steht und wenn Mond und Referenzkörper ausreichend getrennt und erhöht sind. Die Berechnung vergleicht den gemessenen Abstand mit vorausberechneten Abständen aus einer Monddistanztafel, die in nautischen Jahrbüchern veröffentlicht wurde. Dieser Vergleich liefert die Greenwicher Mittlere Zeit, aus der der Längengrad direkt folgt. Das Verfahren erfordert sorgfältige Arbeit: Fehler von nur 10 oder 15 Bogenminuten in der Winkelmessung führen zu erheblichen Längengradungenauigkeiten.
Vor der Verfügbarkeit zuverlässiger Marine-Chronometer im 19. Jahrhundert waren Monddistanzen die Hauptmethode zur Längengradbestimmung auf langen Fahrten. Selbst nach der Standardisierung von Chronometern nahmen Offiziere noch Monddistanzen zur Kontrolle auf. Das Verfahren geriet im 20. Jahrhundert in Vergessenheit, als elektronische Navigation die Himmelspeilung ablöste, blieb aber Teil der traditionellen Navigatorausbildung und erscheint in historischen Schifffahrtsaufzeichnungen.
Der Begriff stammt vom lateinischen Wort für Mond. Monddistanzen werden in formalen Navigationstexten manchmal als Monddistanzen bezeichnet, wobei Monddistanz allein die abgeschlossene Beobachtung und Berechnung meint, nicht nur die Abstandsmessung selbst.