Metroliner
Ein Hochgeschwindigkeitszug, der von 1969 bis 2006 zwischen Washington D.C. und New York City verkehrte.
Metroliner: der erste elektrische Hochgeschwindigkeitszug im Nordosten der USA
Der Metroliner war ein Personenzugdienst von Amtrak, der zwischen 1969 und 2006 Washington D.C., Philadelphia und New York City verband. Er nutzte die bestehenden Gleise der Northeast Corridor, war aber mit Fahrzeugen, Fahrplänen und Betriebsverfahren ausgestattet, um die Fahrtzeiten deutlich unter denen konventioneller Züge zu halten. Der Dienst setzte speziell konstruierte elektrische Zuggarnituren ein, die 160 km/h erreichen konnten, wobei die normale Betriebsgeschwindigkeit wegen der Gleisgeometrie und Signalbeschränkungen typischerweise 145 bis 177 km/h betrug.
Die ursprünglichen Metroliner-Zuggarnituren wurden ab 1968 von der Budd Company gebaut. Jede Garnitur bestand aus zwei Triebwagen und sechs bis neun leichten, gelenkig verbundenen Personenwagen aus Edelstahl und Aluminium. Die Züge bezogen Strom aus einer 25-kV-Oberleitung und waren mit dynamischer Bremse ausgestattet, um Bremsungen ohne übermäßige Verschleiß der mechanischen Bremsen zu bewerkstelligen. Jede Garnitur konnte etwa 300 Fahrgäste befördern. In späteren Jahren führte Amtrak erneuerte AEM7-Elektrolokomotiven mit konventionellen Personenwagen ein, die den Dienst unter dem gleichen Markennamen fortsetzten.
Der Name spiegelte die Aufgabe des Dienstes wider: Menschen schnell über den dichtesten Ballungsraum in Nordamerika zu befördern, indem die Region als Metropolitangebiet statt als Fernstrecke behandelt wurde. Fahrtzeiten von etwa 2,5 bis 3 Stunden zwischen Washington und New York waren konkurrenzfähig mit dem Auto und Flugverkehr, wenn man die Fahrtzeiten zu den Flughäfen berücksichtigte. Der Metroliner fuhr durchweg mit hoher Auslastung und erzielte für Amtrak erhebliche Einnahmen durch Premiumtarife.
Ab Anfang der 2000er Jahre hatte der Dienst mit wachsenden Betriebsproblemen zu kämpfen. Die ursprünglichen Budd-Garnituren litten unter alterungsbedingten Mängeln der Elektrik und Korrosion. Die Infrastruktur der Northeast Corridor, obwohl stark belastet, war durch Kurven und niveaugleiche Bahnübergänge begrenzt, die Geschwindigkeitsverbesserungen verhinderten. Kaskadierende Verspätungen im gemeinsam genutzten Passagier- und Güterzugnetz der Northeast Corridor verschärften die Zuverlässigkeitsprobleme. Amtrak stellte die Marke Metroliner 2006 ein und integrierte die restlichen Dienste in den allgemeinen Fahrplan der Northeast Regional.
Der Metroliner ist historisch bedeutsam als Nordamerikas erster dauerhafter elektrischer Hochgeschwindigkeitspersonenzugdienst und als Test, ob Geschwindigkeit und Häufigkeit mit Auto- und Luftverkehr auf Kurzstrecken konkurrieren können. Sein Niedergang zeigte die Spannung zwischen ehrgeizigen Servicezielen und den Grenzen alternder Infrastruktur, ein Problem, mit dem die Northeast Corridor weiterhin kämpft.