Pauschalreise ohne Unterkunft
Englisch: seat only
Ein Pauschalreiseangebot ohne bestätigte Unterkunftsreservierungen oder mit Dummy-Reservierung, das es dem Veranstalter erlaubt, Plätze in Charterflügen im Wettbewerb mit Fluggesellschaften zu verkaufen.
Nur Flugschein: Charter-Flüge ohne Hotelbindung verkauft
Ein Seat Only Verkauf ist ein Charter-Flugticket, das ein Reiseveranstalter ohne verbindliche Unterkunftsverpflichtung verkauft. Der Kunde kauft nur den Flug; die Hotelbuchung bleibt provisional oder wird separat abgewickelt. Diese Praxis entstand in den 1960er und 1970er Jahren, als Reiseveranstalter begannen, Charter-Flugzeuge einzusetzen, um Billigflugpreise zu unterbieten, und sie schnell Sitzplatzbestände abbauen mussten, ohne Lagerrisiken bei Hotelzimmern einzugehen.
Das Verfahren basierte auf sogenannten Dummy-Reservierungen oder Belegungen: Der Reiseveranstalter blockierte Hotelzimmer, um Charter-Airline-Verträge zu erfüllen (die üblicherweise einen Unterkunftsnachweis erfordern), verpflichtete diese Zimmer aber nicht an einzelne Kunden, sondern gab sie später frei. Bei Seat Only Tickets wurden diese Dummy-Zimmer freigegeben und konnten an das Hotel zurückgegeben oder doppelt verkauft werden. So konnten Veranstalter direkt mit den Airlines konkurrieren, ohne Kapital in unverkauften Hotelkontingenten zu binden.
Wie es in der Praxis funktionierte
Ein Reiseveranstalter charterte beispielsweise eine Boeing 737 mit 180 Sitzplätzen auf einer Mittelmeerroute. Der Charter-Vertrag mit der Airline erforderte einen Unterkunftsnachweis für alle 180 Passagiere. Der Veranstalter blockierte 180 Zimmer in drei Hotels unter Dummy-Namen und erfüllte so die Anforderung der Airline. Im Marketing warb er aber mit Seat Only Tickets zu Preisen, die 30 bis 40 Prozent unter den Normaltarifen lagen. Kunden, die Seat Only kauften, konnten sich Hotels selbst suchen oder separat buchen, oft zu Einzelhandelspreisen. Unverkaufte Plätze wurden in Last-Minute-Pakete geladen und Dummy-Zimmer stillschweigend storniert.
Seat Only Verkäufe führten zu Spannungen mit etablierten Airlines und zogen schließlich regulatorische Aufmerksamkeit auf sich. Die Europäische Kommission und britische Behörden untersuchten, ob die Praxis Preisdumping darstellte oder eine versteckte Subvention von Flugpreisen durch Hotelzimmer-Gewinne. Ab den 1990er Jahren untergruben Billigfluggesellschaften wie Ryanair und easyJet, die offen günstige Direktverbindungen anboten, den kommerziellen Vorteil von Seat Only Charters. Der Begriff ist heute weitgehend historisch; moderne Reiseveranstalter nutzen stattdessen dynamische Bestandsverwaltung und Zusatzleistungsmodelle.
Die Praxis barg auch Reputationsrisiken für Reiseveranstalter. Falls die Unterkunft ausfiel, hatten Kunden zwar ein Ticket, aber keine Bleibe. Reiseveranstalter selbst hafteten nach Verbraucherschutzgesetzen in vielen Märkten, wenn Dummy-Buchungen zusammenbrachen. Die Komplexität der Verwaltung von Dummy-Kontingenten und die Liberalisierung des Flugverkehrs, die etablierten Carriern Preiskonkurrenz ermöglichte, machten Seat Only Buchungen letztlich unrentabel und obsolet.