Sherman-Krawatte
Englisch: Sherman necktie
Ein Schienenstück, das erhitzt und zu einer Schleife verdreht wird, um eine Eisenbahn zu zerstören.
Sherman-Krawatte: eine Eisenbahnschiene sabotiert bis zur Unbrauchbarkeit
Eine Sherman-Krawatte ist ein Eisenbahnschienenstück, das erhitzt wird, bis es rotglühend ist, dann zu einer Schlaufe oder einem Knoten verdreht und anschließend abgekühlt wird. Das Ergebnis ist ein Metallstück, das dauerhaft verformt und für Gleise unbrauchbar ist. Der Begriff stammt vom Unionsgenerals William Tecumseh Sherman und seinem zerstörerischen Feldzug durch Georgia und die Carolinas während des Amerikanischen Bürgerkriegs, als seine Truppen diese Methode nutzten, um konföderierte Bahnstrecken außer Betrieb zu setzen.
Das Verfahren erfordert das Erhitzen eines Schienenstücks, üblicherweise etwa 6 bis 12 Fuß lang, in einem Feuer, das heiß genug ist, um den Stahl plastisch statt spröde zu machen. Nach ausreichender Erhitzung wird die Schiene mittels Hebelwirkung verdreht, historisch von Hand mit Brechstangen oder Ketten, später mit Maschinen. Beim Abkühlen verhärtet sich der Stahl in seiner verformten Form. Die verdrehte Schlaufe kann nicht geradegebogen werden, ohne zu brechen oder schwer beschädigt zu werden, und selbst das Schneiden ergibt nur kurze, verbogene Stücke, die Schrott sind.
Warum es als Sabotage funktionierte
Eine einzelne Sherman-Krawatte konnte eine Bahnstrecke lahmlegen, ohne systematische Zerstörung des gesamten Gleisbetts zu erfordern. Das Verfahren brauchte weniger Zeit und weniger Ressourcen als das vollständige Herausreißen von Schienen. Wichtiger noch: Konföderierten Truppen konnten verdrehte Schienen nicht einfach entfernen und geradebiegen, die Verformung war dauerhaft und die Schienen waren zerstört, nicht nur verschoben. Dies machte Reparaturen erheblich schwieriger als die Abwehr gegen bloßes Schieneneintragen.
Das Verfahren beruht auf einem spezifischen Temperatur- und Materialeigenschaften-Fenster. Stahl zwischen ungefähr 1.200 und 1.500 Grad Fahrenheit wird geschmeidig genug zum Verdrehen, verliert aber nicht so sehr an Festigkeit. Schienen aus Schweißeisen oder frühem Stahl mit unterschiedlichem Kohlenstoffgehalt ließen sich anders verdrehen, moderner hochkohlenstoffhaltiger Schienenstahl ist beim Erhitzen spröder und weniger anfällig für diese Sabotage. Die Wirksamkeit der Technik war teilweise bedingt durch die Stahlzusammensetzung des 19. Jahrhunderts.
Der Begriff lebt im Vokabular der Eisenbahnindustrie als historische Referenz weiter und erscheint in Dokumentationen zur Gleisschadensbeurteilung und Zerstörungsprävention. Obwohl die Praxis selbst zur Militärgeschichte gehört, bleibt das Wort ein nützliches Kürzel für eine bestimmte Form vorsätzlicher Gleisverformung und unterscheidet sich von anderen Schadensmustern, auf die Inspektoren und Forensiker treffen könnten.