auftrennen
Englisch: unpick
Gestrickte Maschen auflösen, um die Wolle wiederzuverwenden.
Aufträgen: Gestrickte Stoffe auflösen, um Garn zurückzugewinnen
Aufträgen ist das gezielte Auflösen von gestricktem Stoff, Reihe für Reihe, um verwendbares Garn zurückzugewinnen. Der Prozess kehrt die verschlungenen Maschen um, die die Strickstruktur bilden, und ermöglicht es, das Garn auf Spulen oder Kegel aufzuwinden und wiederzuverwenden. Dies unterscheidet das Aufträgen von Zerfasern oder Mahlen, wobei die Fasern zerstört werden und nur unbrauchbare Kurzfasern entstehen.
Die Arbeit wird von Hand oder auf speziellen Aufträgmaschinen durchgeführt. Das manuelle Aufträgen besteht darin, ein loses Ende zu finden, es zu ziehen, um eine Masche nach der anderen freizulegen, und das freigelegte Garn auf eine Spule zu wickeln. Industrielle Aufträgmaschinen nutzen rotierende Trommeln oder Rollen, um den Auflösungsprozess zu beschleunigen, während ein Arbeiter den Stoff führt. Die Geschwindigkeit hängt vom Garngewicht und der Stoffdichte ab: ein feines Merino-Kleidungsstück kann mit 10 bis 20 Metern pro Minute aufgelöst werden, während ein dicker Wollpullover schneller vorangeht.
Erfolgreiches Aufträgen erfordert unbeschädigtes Garn. Falls das ursprüngliche Gestrick beschädigtes, schwaches oder stark verfilztes Wolle verwendet hat, reißt das Garn beim Auflösen und wird unbrauchbar. Ebenso sind Kleidungsstücke, die nach dem Stricken gefärbt wurden, schwerer aufzutragen, da die Farbe die Faser setzt und die Reibung zwischen den Maschen erhöht. Synthetische Mischungen oder stark verarbeitete Wolle widerstehen dem Prozess stärker als Jungfaser oder lockere Gestricke.
Gewerbliche Nutzung und Fasernrückgewinnung
Das Aufträgen bleibt in Niedriglohnregionen und für hochwertige Fasern wie Merino, Kaschmir oder Angora wirtschaftlich, da das zurückgewonnene Garn die Arbeitskosten rechtfertigt. Strickwarenhersteller tragen auch Produktionsausschuss auf: fehlgeschlagene Kleidungsstücke, fallende Maschen und Abschnitte werden aufgelöst, um das Garn zurückzugewinnen, statt es zu verwerfen. Das zurückgewonnene Garn wird häufig zu Produkten niedriger Qualität versponnen oder mit Jungfaser gemischt.
Der Begriff leitet sich direkt vom Verb schlagen ab, was bedeutet, Fäden zu trennen oder einen Knoten zu lösen. In der Textilbranche bezeichnete Schlag historisch die manuelle Fasertrennung und das Karden, daher beschreibt Aufträgen natürlicherweise die umgekehrte Aktion bei fertigen Gestrickwaren. Die Praxis ist in Industrieländern wirtschaftlich marginal, da Arbeitskosten den Wert der zurückgewonnenen Wolle übersteigen, bleibt aber in Textilzentren mit niedrigeren Lohnskalen und starker Tradition der Faserwiederverwertung Standard.