Gieren
Englisch: yaw
Bewegung eines Schiffes um die Vertikalachse, wobei der Bug seitlich ausweicht; Zeichen von Instabilität.
Gieren: unerwünschte Seitenbewegung des Schiffskurses
Gieren ist die Drehung eines Schiffes oder Bootes um seine senkrechte Achse, wobei sich der Bug nach links und rechts vom beabsichtigten Kurs abweicht. Anders als Stampfen (Auf- und Abbewegung) oder Rollen (Seitliches Kippen) beeinflusst Gieren direkt den Kurs und die Steuerung. Ein gierendes Schiff zeigt nicht dorthin, wo es hin soll, auch wenn Antrieb und Trimm stabil bleiben. Die Bewegung wird in Grad Abweichung vom beabsichtigten Kompasskurs gemessen.
Gieren tritt am häufigsten in schwerer achterlicher Dünung auf, wenn Wellenzüge das Heck seitlich schieben, während sie unter dem Schiff durchlaufen. Es entwickelt sich auch bei Seitengang, wenn die Wellenlänge der Schiffslänge ähnelt und abwechselnd Bug und Heck hebt und senkt. Wind verursacht Gieren, wenn Unterwasserschiff und Aufbau asymmetrisch mit Böen wechselwirken. Flachwasser und starke Querströmungen können den Effekt verstärken. Ein schlecht ausbalanciertes Ruder, Verschleiß am Steuermechanismus oder ungleichmäßiger Propellerschub verstärken das Gieren und erschweren dem Steuermann die Korrektur.
Gieren im Betrieb beherrschen
Übermäßiges Gieren verschwendet Treibstoff, weil das Schiff eine längere Strecke als der direkte Kurs erfordert zurücklegt. Es belastet auch die Steueranlage und erhöht die Ermüdungslasten auf dem Rumpf. Moderne Schiffe reduzieren Gieren durch Rumpfdesign (vollere Heckpartien und tiefere Kiele verbessern die Richtungsstabilität) und aktive Steuersysteme, die Bewegungen vorausahnen. Trimm und Ballastverteilung beeinflussen den Schwerpunkt und das hydrodynamische Gleichgewicht längsschiffs, beide Faktoren beeinflussen die Gierneigung. Steuermänner lernen, Gieren in bestimmten Seegängen vorauszusehen und kleine, sanfte Ruderausschläge statt aggressiver Helmauslenkungen zu machen, die Schwingungen oft verschlimmern.
Das Wort Gieren stammt aus der Schifffahrtssprache mit unsicherer Herkunft, möglicherweise aus dem Altnordischen oder niederländischen Segelwortschatz. Es erscheint in Schifffahrtsunterlagen seit mindestens dem 17. Jahrhundert und bezieht sich speziell auf Kursunstabilität, unterschieden von anderen Schiffsbewegungen. In Luft- und Fahrzeugtechnik hat Gieren die gleiche Bedeutung: Drehung um die senkrechte Achse eines Fahrzeugs.