blinde Seitenzahl
Englisch: blind folio
Seitenzahl, die gezählt, aber nicht auf der Seite gedruckt wird.
Blindfolio: eine gezählte Seite ohne gedruckte Seitenzahl
Im Buchbinder- und Druckgewerbe ist ein Blindfolio eine Seite, die in der fortlaufenden Zählung der Folios eine Nummer erhält, diese Nummer aber nicht gedruckt auf der Seite erscheint. Die Seite existiert, wird in der Kollation gezählt und wird in das fertige Produkt gebunden, trägt aber keine sichtbare Folio-Markierung. Dies ist üblich bei Vorbemerkungen, besonders auf der ersten Seite eines Buches oder den Eröffnungsseiten eines neuen Kapitels oder Abschnitts.
Die Vorbemerkungen eines gebundenen Buches beginnen typischerweise mit einem Blindfolio. Das Titelblatt ist Folio 1, die Rückseite des Titelblatts ist Folio 2, Copyright und weitere Vorbemerkungen folgen, aber keine davon trägt gedruckte Nummern. Die sichtbare Nummerierung beginnt oft erst auf der ersten Seite des Haupttextes, obwohl die fortlaufende Zählung seit der ersten Lage läuft. Diese Konvention hält formale Seiten übersichtlich, während sie gleichzeitig eine genaue interne Erfassung der Seitenfolge gewährleistet.
Blindfolios in Impositionssatz und Korrektur
Drucker müssen Blindfolios beim Impositionssatz erfassen, dem Prozess der Anordnung von Seiten-Abbildern auf Druckplatten oder digitalen Ausgaben. Eine Lage mit einem Blindfolio enthält weniger sichtbare Seitennummern als die Gesamtzahl ihrer Seiten. Diese Unterscheidung ist wichtig, wenn man besetzte Bögen gegen ein Buchstumm überprüft oder Kollationsfolgen bestätigt. Ein Fehler hier kann zu fehlenden Seitennummern in der endgültigen Bindung oder falscher Seitenreihenfolge führen.Bei älteren Bleisatz- und Offsetdruckverfahren wurden Blindfolios einfach beim Impositionssatz aus dem Satz oder Film weggelassen. In modernen digitalen Arbeitsabläufen erhöht sich der Folio-Zähler für jede Seite, unabhängig davon, ob die Nummer für die Ausgabe wiedergegeben wird. Dies verhindert Nummerierungslücken später im Buch und stellt sicher, dass jede Seite aus dem gebundenen Band über ihre Folgenummer auffindbar ist, auch wenn das Folio auf der Seite selbst nicht zu sehen ist.
Der Begriff "Blind" bedeutet hier unsichtbar oder unmarkiert, nicht beschädigt. Er entspricht der Verwendung von "Blindprägung" oder "blinder Tooling" in der Binderei, wobei ein Muster ohne Tinte oder Folie gepresst wird. Das Konzept stammt aus der Zeit, als alle Seitennummern manuell angebracht wurden, was es praktisch machte, Nummerierung nur für Inhaltsseiten vorzusehen. Der moderne Druck hat diese Unterscheidung weitgehend automatisiert, aber die Konvention bleibt in der professionellen Buchgestaltung erhalten und ist nach wie vor ein Punkt technischer Genauigkeit in Kollations- und Bindespezifikationen.