Jeer
Englisch: jeer
Vorrichtung oder Kombination von Flaschenzügen zum Heben oder Senken der Rahen eines Schiffes.
Jeer: das Takelsystem zum Bewegen der Schiffsrahen
Ein Jeer ist ein System aus Rollen und Tauen (Takelagen), das zum Hochziehen, Senken oder Verstellen der Rahen auf einem Segelschiff mit Rahsegeln verwendet wird. Die Rahen sind die waagerechten Spieren, an denen die Rahsegel hängen, und ihre Bewegung erfordert erhebliche mechanische Kraftübersetzung, besonders auf großen Schiffen, wo eine einzelne Rahe mehrere Tonnen wiegen kann. Das Jeer-Takel führt von einem festen Punkt hoch am Mast, läuft durch an der Rahe befestigte Rollen und zurück auf das Deck oder zu einer Winde, wo die Mannschaft daran ziehen kann.
Die meisten Schiffe waren mit mehreren Jeers ausgestattet, jeweils einem für jede Rahe oder jedes Rahenpaar am Mast. Bei einem dreimastigen Schiff mit etwa fünf oder sechs Rahen pro Mast musste eine Arbeitscrew Dutzende einzelner Jeer-Taue bewältigen. Die mechanische Ausführung variierte je nach Schiffsbaubetrieb und Schiffsgröße, bestand aber typischerweise aus einer Kraftübersetzung von 4:1 oder 6:1, um die Arbeit für eine Handmannschaft zu bewältigen. Gut gewartete Jeers waren für den täglichen Segelhandel unerlässlich; ein blockiertes oder beschädigtes Jeer-Takel zwang das Schiff, die Segel auch unter gefährlichen Bedingungen gesetzt zu halten.
Der Begriff stammt von einem alten Seglerwort für drehen oder wenden ab und spiegelt wider, wie der Takelmechanismus die Rahe um ihre zentrale Achse dreht. Mit der Zeit wurde "Jeer" zum Nomen für das gesamte System statt nur für die Bewegung. Alte Schiffsunterlagen und Segelanleitungen bezeichnen "die Jeers" als feste Takelage und unterscheiden sie damit von temporären Takelagen, die für spezifische Aufgaben angebracht wurden.
Verschleiß und Scheuerstellen waren ständige Probleme. Taue bewegten sich tausendfach hin und her und rieben gegen die hölzernen Rollen, Mastbeschläge und die Rahe selbst. Teer und Fett halfen, aber Jeers erforderten regelmäßige Kontrolle und Erneuerung, besonders dort, wo das Tau durch Rollen führte. Bei schwerem Wetter oder wenn eine Rahe schnell sinken musste, konnte ein Jeer blockieren oder ausfransen und zwingt Segler, sich auf der Rahe hinaufzuarbeiten, um sie manuell zu sichern oder zu befestigen.
Das Jeer-System wurde durch den Aufstieg der Dampfkraft und stahlgerüsteter Schiffe überflüssig. Mechanische Winden und dampfgetriebene Hebevorrichtungen ersetzten bereits im späten 19. Jahrhundert vollständig die handgebetätigten Takelagen. Heute findet man Jeers hauptsächlich in Schiffsmuseumstagwerk, Großseglerdemonstrationen und historischen Maritimtexten. Ihr Aufbau und ihre Wartung bleiben ein Orientierungspunkt zum Verständnis, wie hölzerne Segelschiffe auf dem Meer tatsächlich funktionierten.