Kitchener-Stich
Englisch: Kitchener stitch
Ein verbreitetes Verfahren zum Vernähen zweier Strickflächen mit Garn und Nadel in einer End-zu-End-Naht (Masche-zu-Masche)
Kitchener-Stich: unsichtbare Naht zum Verbinden von offenen Maschen
Der Kitchener-Stich ist eine Methode zum Verbinden zweier Kanten von Strickstoff, indem Garn durch offene Maschen (Maschen, die noch auf der Nadel sind) gezogen wird, so dass eine Naht entsteht, die optisch mit dem umgebenden Strick verschmilzt. Im Gegensatz zum Abketten einer Kante und dem Annähen an eine andere verbindet der Kitchener-Stich die beiden Teile Reihe für Reihe, ohne einen abgeketteten Rand zu hinterlassen. Das macht ihn unverzichtbar für die Fertigstellung von Sockenzehen, Schulternähten und Saumkanten, wo Flachheit und Elastizität wichtig sind.
Der Stich funktioniert durch abwechselndes Arbeiten an zwei Reihen offener Maschen: eine auf jeder Seite der Naht. Eine stumpfe Nadel folgt einem geplanten Weg durch jede Masche, typischerweise in der einen Richtung ein- und in der anderen Richtung aus. Bei glatt rechts (dem häufigsten Grundmuster) ist das Schema symmetrisch: die Nadel geht waagerecht durch eine Masche auf einer Seite, dann durch eine Masche auf der anderen Seite und arbeitet sich entlang beider Reihen vor. Das Arbeitsgarn bleibt hinter der Nadel, bis alle Maschen durchzogen sind; dann wird die Spannung allmählich erhöht, während sich die Schleifen straffen und die Maschen von den Nadeln gleiten.
Die Spannungskontrolle bestimmt, ob die Naht elastisch und unsichtbar bleibt oder straff und sichtbar wird. Zu viel Spannung zieht die Naht nach innen; zu wenig hinterlässt Durchhänger, der sich beim Tragen des Kleidungsstücks hochzieht. Erfahrene Arbeiter entwickeln ein Gefühl für die richtige Spannung, die üblicherweise der Spannung des umgebenden Stoffs entspricht. Die Naht muss relativ zügig gearbeitet werden, bevor die Garnspannung austrocknet oder der Arbeiter den Rhythmus verliert.
Praktische Grenzen und Varianten
Der Kitchener-Stich funktioniert sauber bei glatt rechts und glatt links, wird aber bei strukturierten Mustern (Rippen, Zöpfe, Perlmuster) schwierig, wo der Weg durch jede Reihe weniger klar ist. Manche Arbeiter passen den Stich an, indem sie nach Noppen und Vertiefungen zählen statt einem strikten Waagerecht-Senkrecht-Muster zu folgen. Die Technik erfordert offene Maschen und ein einigermaßen geschmeidiges Garn; gespaltene oder flauschige Garne oder Garn, das unterbrochen und wieder angeknotet wurde, können hängenbleiben und sich nicht glatt durch die Maschen ziehen.
Die Naht ist nach Earl Kitchener benannt, der die Technik in der zeitgenössischen Strickliteratur der 1960er Jahre populär machte, obwohl die Grafting-Naht selbst viel älter ist. In der industriellen Strickerei und Strumpfproduktion können Maschinen das Äquivalent einer Kitchener-Naht mit speziellen Befestigungsköpfen ausführen, aber handwerkliche Fertigung bleibt Standard für kleine Serien und individuelle Verarbeitung. Der Stich wird manchmal Grafting oder Weben genannt, wobei Grafting die breitere Kategorie ist und Weben den Garnweg wörtlicher beschreibt.