Schälkraft
Englisch: peel strength
Die durchschnittliche Belastung pro Breiteneinheit, die erforderlich ist, um ein flexibles Element von einem starren Element oder einem anderen flexiblen Element zu trennen.
Schälstärke: die Kraft, die nötig ist, um eine Klebstoffverbindung auseinanderzureißen
Schälstärke misst die Kraft, die erforderlich ist, um ein flexibles Material (wie Klebeband, Membran oder Dichtung) von einem starren Untergrund oder einer anderen flexiblen Schicht zu trennen. Das Ergebnis wird in Pfund pro Zoll Breite (pli) oder Newton pro Millimeter (N/mm) ausgedrückt und stellt die Last dar, die nötig ist, um das Schälen in einem bestimmten Winkel zu beginnen und aufrechtzuerhalten, normalerweise 90 oder 180 Grad. Dies unterscheidet sich grundlegend von der Zugfestigkeit, die den Widerstand gegen Zug entlang des Materials selbst misst, oder der Scherfestigkeit, die den Widerstand gegen seitliche Scherkräfte misst.
Bauprojekte setzen auf Schälstärke für die Qualitätskontrolle von Abdichtungsmembranen, Dachunterlagen, Anschlussband und selbstklebenden Dichtungen. Eine Dachmembran könnte eine Mindestschälstärke von 180 Grad von 2 pli fordern, wenn sie gegen Beton oder Metalldecke getestet wird. Klebeband an Fensterrahmen muss dem Schälen durch Windbelastung und thermische Zyklisierung widerstehen. Ist die Schälstärke zu gering, bricht die Klebstoffverbindung auf und es kommt zu Wassereintritt. Wenn die Prüfanforderungen bei der Produktzertifizierung nicht erfüllt werden, gilt das Material als nicht spezifiziert.
Der Test selbst verwendet eine Zugmaschine, um ein Material mit vorgegebener Breite (normalerweise 1 Zoll oder 25 Millimeter) in einem bestimmten Winkel und mit bestimmter Geschwindigkeit zurückzuziehen. Der Winkel ist wichtig: Der 90-Grad-Schältest prüft den Klebstoff und die Flexibilität des Materials zusammen, während der 180-Grad-Schältest (das Klebeband gerade zurückziehen) eine andere Spannungsverteilung erzeugt. Die Temperatur beeinflusst die Ergebnisse erheblich. Viele Spezifikationen testen bei Raumtemperatur und erhöhter Temperatur, um Sommerdeckenverhältnisse zu simulieren. Oberflächensauberkeit, Feuchte und Staub beeinflussen die Verbindung und die gemessenen Werte direkt.
Einflussfaktoren und Ausfallarten
Die Schälstärke hängt vom Klebstofftyp, der Oberflächenrauwert, dem Feuchtegehalt und der Dicke sowie Flexibilität des zu schälenden Materials ab. Eine EPDM-Membran mit einem synthetischen Kautschukklebstoff schält anders ab als eine Bitumenmembran mit einem asphaltgebundenen Klebstoff. Raue Oberflächen bieten bessere mechanische Verzahnung als glatte Metallflächen. Nasse oder verschmutzte Oberflächen reduzieren die Haftung erheblich. Unzureichende Schälstärke entsteht oft nicht durch fehlerhaften Klebstoff, sondern durch unzureichende Oberflächenvorbereitung, UV-Abbau des flexiblen Materials oder Inkompatibilität zwischen der Klebstoffchemie und dem Substratmaterial.
Der Schältest ist die primäre Kontrollstelle bei Baustoffnormen. ASTM D6775, ASTM D1876 und EN 12719 geben Verfahren und Annahmebedingungen für verschiedene Produkte vor. Ausfälle vor Ort lassen sich häufig auf Spezifikationslücken zurückführen: Ein Produkt mit ausreichender Schälstärke unter Laborbedingungen kann ausfallen, wenn Monteure von der erforderlichen Oberflächenvorbereitung, Temperaturbereichern während der Installation oder Trocknungszeiten abweichen. Hersteller veröffentlichen Schälstärkendaten, um die Produkthaltbarkeit mitzuteilen. Die praktische Leistung hängt aber von der Installationsmethode und der Umweltgeschichte mindestens so sehr ab wie von der Klebstoffformulierung selbst.