Stammstrecke
Englisch: trunk line
Eine Hauptbahnstrecke, die üblicherweise das Rückgrat eines Eisenbahnnetzes bildet.
Stammstrecke: die Hauptverkehrsachse eines Schienennetzes
Eine Stammstrecke ist eine primäre Eisenbahnstrecke, die für die Bewältigung hoher Verkehrsmengen zwischen Großstädten oder Bahnhöfen ausgelegt und betrieben wird. Sie bildet das strukturelle Rückgrat eines Schienennetzes, verbindet wichtige Wirtschaftszentren und dient als Hauptdurchgangsroute für Personen- und Güterzüge. Stammstrecken führen je nach Netz 100 bis 400 Züge pro Tag, wobei die Gleisgeometrie und Signaltechnik eher auf Geschwindigkeit und Kapazität als auf lokale Haltmuster ausgerichtet sind.
Stammstrecken zeichnen sich durch höheres Schienengewicht (oft 60 kg/m oder mehr), robustere Oberbaukonstruktion sowie großzügigere Kurven- und Steigungsstandards aus als Neben- oder Sekundärbahnen. In Güterbahnnetzen verfügen Stammstrecken häufig über durchgehend verschweißte Schienen und moderne automatische Blocksignale zur Maximierung des Durchsatzes. Personen-Stammstrecken können mit 120 bis 320 km/h fahren und erfordern Instandhaltungszyklen im Wochenrhythmus statt im Monatsrhythmus. Eine einzelne Stammstrecke kann 300 bis 1500 Kilometer lang sein und läuft durchgehend zwischen Hauptknotenpunkten ohne nennenswerte Abweichungen für lokale Zu- oder Abfuhren.
Varianten und Infrastrukturanforderungen
Verschiedene Regionen entwickeln Stammstrecken, die ihren Gütermuster entsprechen. In Kohle- und Mineralexportländern werden Stammstrecken mit flachen Steigungen (unter 0,5 Prozent auf Hauptabschnitten) und langen Überholungsgleisen für schwere Güterzüge gebaut. In personenverkehrsgeprägten Netzen wird Wert auf Beseitigung von Bahnübergängen und enge Fahrplantoleranz gelegt. Doppel- oder Vierfach-Stammstrecken existieren in hochbelasteten Korridoren; eingleisige Stammstrecken mit Ausweichstellen bleiben in Netzen geringerer Dichte üblich.
Die Instandhaltung von Stammstrecken ist stark standardisiert und zentralisiert, oft national oder durch regionale Betreiber koordiniert. Verschlissene Schienenbereiche werden in festen Abständen erneuert oder kopfgehärtet. Schotter wird nach festgelegten Zyklen erneuert und verdichtet. Im Gegensatz zu Sekundärbahnen, deren Instandhaltung in wirtschaftlichen Krisen aufgeschoben werden kann, werden Stammstrecken als kritische Infrastruktur behandelt und ihr Zustand beeinflusst direkt die kommerzielle Leistung und Pünktlichkeit des Betreibers.
Der Begriff stammt aus der Analogie zur Anatomie eines Baums: Der Stamm ist der Hauptstamm, von dem Äste abgehen. In Schienennetzen erhalten Stammstrecken Nebenbahnen und Gleisanschlüsse, verzweigen sich selbst aber nicht und enden nur an Großknoten. Diese hierarchische Terminologie hält sich, weil sie die funktionale Rolle klar beschreibt: Der gesamte Verkehr fließt entweder über sekundäre Anschlüsse auf eine Stammstrecke oder von ihr ab, kreuzt sie aber nie, außer an speziell dafür eingerichteten Übergabepunkten.